Plenarrede: „Chancen und Potenziale der Digitalisierung für Niedersachsen nutzen – Digitalisierungsprofessuren fördern“

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und
Kollegen,

am 26. April habe ich fast 100 Schülerinnen und Schüler auf dem Zukunftstag der SPD-Landtagsfraktion begleitet: Eine tolle Veranstaltung, viele meiner Fraktionskollegen waren dabei und werden mir Recht geben.

Was hat mich persönlich so an dieser Veranstaltung begeistert? Einerseits zeigt der Zukunftstag, wie engagiert und ideenreich sich Kinder und Jugendliche mit Politik auseinandersetzen. Andererseits zeigt dieser Tag, welche Themen die Schülerinnen und Schüler bewegen. Und da steht – natürlich – die Digitalisierung ganz oben auf der Liste. Als „Digital Natives“ sind sie mit Smartphones und digitalen sozialen Netzwerken groß geworden und sie sehen die Digitalisierung vor allem als Chance: Als Chance auf beruflichen Erfolg, auf soziale Teilhabe und auf technischen Fortschritt. Voraussetzung dafür ist ein bewusster und kompetenter Umgang mit digitaler Technik und digitalen Medien, der bereits in der Schule beginnt.

Meine Damen und Herren!

Der Zukunftstag hat einmal mehr gezeigt: Die Studierenden von morgen wollen die Digitalisierung mitgestalten! Mit der Einführung von Digitalisierungsprofessuren werden sie dafür an den niedersächsischen Hochschulen ideale Bedingungen vorfinden. Wie viele es sein werden oder sein müssen, muss sich zeigen. Wir sollten uns daher heute noch nicht auf eine Zahl festlegen. Immerhin muss es auch darum gehen, wie viele möglich, aber auch nötig sind!

Die Einführung von Digitalisierungsprofessuren sollen also für ideale Bedingungen in der Forschung und Lehre sorgen, die nicht nur auf die rein technische Dimension der Digitalisierung beschränkt bleiben, sondern über die Informatik hinaus auf alle Studienfächer ausgeweitet werden sollen. Die Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche und damit auch alle Wissenschaftsdisziplinen. Deshalb wird es auch gesellschafts- und kulturwissenschaftliche Digitalisierungsprofessuren geben. Denn das technisch Mögliche muss auch gesellschaftlich vermittelbar sein.

Was macht die Komplexität aber auch das besondere Potenzial der Digitalisierung aus? Sie verknüpft alle Lebensbereiche. Sie spielt sich nicht nur im Inneren, sondern zwischen diesen Bereichen ab und erfordert eine ganzheitliche Sicht der Dinge. Es liegt auf der Hand, dass interdisziplinär ausgerichtete Lehrstühle besonders für eine Digitalisierungsprofessur geeignet sind. An der Schnittstelle zwischen Forschung und Anwendung werden sie sich aus verschiedenen fachlichen Perspektiven den Themen wie Data Science, Künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit widmen.

Wer die Digitalisierung gestaltet, gestaltet die Zukunft – der Forschungsstandort Braunschweig ist das beste Beispiel. Aber es gibt viel zu tun! Der Nachholbedarf im Bereich Digitalisierung in Niedersachsen ist groß! Die Einrichtung von Digitalisierungsprofessuren ist der richtige Weg, um national und international aufzuschließen. Durch neue digitale Schwerpunkte werden bestehende Studiengänge attraktiver. So können neue Zielgruppen gewonnen und der steigende Bedarf an qualifizierten Fachkräften langfristig abgedeckt werden. Ausgewählte Hochschulen werden durch die Digitalisierungsprofessuren an Konkurrenzfähigkeit gewinnen, die Entstehung neuer Fachgebiete im Bereich Digitalisierung werden das digitale Profil der niedersächsischen Hochschullandschaft langfristig schärfen.

Digitalisierung zeichnet vor allem eines aus: Ihre enorme Geschwindigkeit.

Meine Damen und Herren!

Wir müssen schnell, aber auch überlegt handeln. Deshalb haben wir diesen Antrag ausführlich beraten und deshalb haben wir Digitalisierungsexperten aus der Wissenschaft angehört. Der Dialog hat unser Konzept der Digitalisierungsprofessuren als zielführend und erfolgversprechend bestätigt: Als richtige und wichtige Maßnahme, um Niedersachsen digitaler und bereit für die Zukunft zu machen.

Auch das geplante Ausschreibungsverfahren nutzt das bestehende Potenzial an Niedersachsens Hochschulen. Sie sind die Motoren der digitalen Transformation, sie haben das wissenschaftliche Knowhow, mit ihren Konzepten können sie im Wettbewerb um die Einrichtung neuer Lehrstühle eigene Themen und Schwerpunkte setzen. Darüber hinaus wird es ein Programm zur Förderung von Nachwuchsgruppen in relevanten Themenfeldern der Digitalisierung geben. Das fördert die Vernetzung, den Wissenstransfer und die Entwicklung neuer Forschungsfelder.

Das alles zeigt: Im Wettbewerb um die klügsten Köpfe handeln wir konsequent und nachhaltig im Sinne unserer Hochschulen und der digitalen Zukunft Niedersachsens.

Zusätzlich muss dafür gesorgt werden, dass aus Ideen auch Innovationen, aus digitalen Möglichkeiten auch Arbeitsplätze und Wohlstand erwachsen. Führende Forschungsstandorte wie Braunschweig können ihre Spitzenposition nur dann weiter ausbauen, wenn der Weg von der wissenschaftlichen Forschung zur industriellen Anwendung oder Unternehmensdienstleistung weiter verkürzt und der Wissenstransfer erleichtert wird.

Fortschritt, Wohlstand, eine lebenswerte Gesellschaft: Die Digitalisierung bietet unzählige Möglichkeiten, um Niedersachsen noch zukunftsfähiger zu machen. Aber die Digitalisierung birgt auch Risiken. Eine allgegenwärtige Entwicklung, deren Folgen für jeden spürbar und deren konkrete Gestalt dennoch kaum greifbar ist, sorgt für Unsicherheit – und zwar nicht nur in Hinblick auf die Verwendung des Begriffs.

Wie SPD und CDU „Digitalisierung“ eigentlich definierten, war eine Frage hier im Plenum. Die Formulierungen seien vage und unkonkret, war der Vorwurf. Also gut, kommen wir zur Definition: „Der Begriff ‚Digitalisierung‘ beschreibt die Verbreitung digitaler Technologien in allen Bereichen unserer Gesellschaft, in Kombination mit einer globalen Vernetzung von Menschen und Maschinen über das Internet.“ [Definition gemäß „#DigitalLeben – SPD Grundsatzprogramm für die digitale Gesellschaft“]

Was genau sagt uns das in Hinblick auf die konkrete Ausgestaltung von Digitalisierungsmaßnahmen in Niedersachsen? – Eigentlich nichts, und genau das ist der Grund, warum dieser Antrag so wichtig ist.

Denn genau darum geht es: Das komplexe Phänomen Digitalisierung handhabbar zu machen und seine technische und gesellschaftliche Reichweite zu definieren. Das wird sich hier im Plenum niemand anmaßen wollen, denn das kann nur die Wissenschaft leisten. Hierfür schaffen wir mit den Digitalisierungsprofessuren ideale Voraussetzungen. Voraussetzungen dafür, auf wissenschaftlich fundierter Basis dem Handlungsauftrag der Politik nachzukommen: Denn Gesellschaft gestalten heißt Digitalisierung gestalten, meine Damen und Herren! Was Digitalisierung in der Zukunft bedeuten soll, muss jetzt definiert werden.
Nur so schaffen wir den nötigen Handlungsspielraum, um die digitale Zukunft im Sinne der Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gestalten zu können.

Meine Damen und Herren!

Facebook, Instagram und Co lassen keinen Zweifel: Digitalisierung ist in hohem Maß von sozialer Interaktion bestimmt– aber sie muss auch demokratisch gestaltet sein! Dafür zu sorgen ist unsere Aufgabe! Mit der Einrichtung von Digitalisierungsstrukturen gehen wir hier in Niedersachsen einen wichtigen Schritt, ich bitte Sie daher um ihre Zustimmung!

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