Schütze trifft… Braunschweiger Hebammen

In Zeiten der Digitalisierung richtet sich unser Blick oft auf fortschrittliche Technologien und virtuelle Welten – auch wenn es um neue Studiengänge geht. Dabei dürfen wir jedoch nicht vergessen, welche Aufgaben in unserer Gesellschaft unersetzlich sind. Daher setze ich mich mit aller Kraft dafür ein, dass auch in Zukunft Hebammen in Braunschweig ausgebildet werden können.

Seit über 250 Jahren werden in Braunschweig Hebammen ausgebildet. Während die theoretischen Kenntnisse an der Hebammenschule in der Naumburgstraße vermittelt werden, erfolgt die praktische Anleitung im Braunschweiger Klinikum. Für einen Tag darf ich die Hebammenschülerinnen dabei begleiten und Einblick in ihre Arbeit gewinnen.

Die Schülerinnen assistieren den Hebammen bei den Untersuchungen, begleiten sie in den Kreißsaal und beginnen früh damit, selbstständig die Schwangeren während der Wehen zu betreuen. Durch ihren Beistand fühlen sich die werdenden Mütter gut aufgehoben und beruhigt. Die Hebammen und das Pflegepersonal auf der Station berichten mir, dass eine Arbeit ohne die Schülerinnen für sie kaum vorstellbar ist. Zurzeit gibt es vier offene Hebammenstellen im Kreißsaal, die sich trotz intensiver Bemühungen nur schwer besetzen lassen. Die Schülerinnen sorgen für Entlastung, so dass einer Abwanderung der Hebammen wegen zu hoher Arbeitslast vermieden wird. Die Schülerinnen selbst kommen gern nach Braunschweig. Erst 2017 wurde die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht, um dem wachsenden Bedarf zu entsprechen. Hebammenschule und Klinikum haben gemeinsam einen Standard für die Praxisanleitung entwickelt, der Ausbildung auf höchstem Niveau garantiert.

Zudem findet sich im Klinikum Braunschweig das zweitgrößte Level 1 Haus in Niedersachsen für die Versorgung von Frühgeborenen. Der Intensivbereich befindet sich Wand an Wand mit dem Kreißsaal und ist Anlaufstelle für alle Krankenhäuser der Umgebung, die ihre Notfälle hierhin überweisen. Die Schülerinnen erzählen, dass gerade die spezielle Versorgung von Frühchen längst nicht in jeder Ausbildungsstätte so umfangreich gelehrt wird. Diese Standortvorteile sorgen dafür, dass die Hebammenschule Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet erhält.

Spätestens 2023 startet jedoch der letzte Ausbildungslehrgang an der Hebammenschule in Braunschweig. Von da an werden angehende Hebammen ein Studium absolvieren, wie es seit 2008 bereits in Osnabrück angeboten wird.

Damit Braunschweig auch in Zukunft eine stabile geburtshilfliche Versorgung gewährleisten kann, bemühe ich mich intensiv darum, dass einer der geplanten vier Studiengänge in unsere Region kommt. Eines der Kernprobleme bildet die Besetzung einer Professur in Hebammenswissenschaften.

Die Geburt ist der Höhepunkt jeder Schwangerschaft – aber weder Beginn noch Ende der Arbeit einer Hebamme. Zu ihren Aufgaben gehören ebenso Geburtsvorbereitungskurse, Stillberatung, Nachsorge oder auch einfach die psychosoziale Betreuung. Hebammen sind die ausgewiesenen Expertinnen. Ohne sie darf eine Geburt nur im äußersten Notfall stattfinden.

Dieser hohe Standard gerät jedoch in Gefahr, wenn in den nächsten Jahren ca. 700 Hebammen in Rente gehen.

Hier ein paar Eindrücke meines Besuchs bei den Hebammen im Städtischen Klinikum

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