Corona-Antikörperforschung im Braunschweiger Süden – Schütze trifft Wissenschaftler

Während die Welt auf einen Impfstoff gegen Covid-19 wartet, wird im Braunschweiger Süden an Corona-Antikörpern geforscht. Die Antikörperforschung arbeitet an einem Therapeutikum – einer Art Medikament – um Schwererkrankte zu behandeln und besonders infektionsgefährdete Gruppen, wie zum Beispiel Pflegepersonal, zu schützen. So könnten schwere Verläufe verhindert und die Kapazitäten der Krankenhäuser geschont werden. Auf dem Science-Campus in Stöckheim haben sich rund um das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) verschiedene renommierte Forschungseinrichtungen und Biotechnologiefirmen angesiedelt. Während der Pandemie haben sie es sich – gemeinsam mit der Technischen Universität Braunschweig – zur Aufgabe gemacht, ein Heilmittel zu finden.

Zusammen mit Sozialministerin Dr. Carola Reimann besuchte ich im April die Firma YUMAB, die bereits erfolgsversprechende Antikörper gegen das Coronavirus gefunden hat. Schon zu Beginn der Ausbreitungen beschloss das Unternehmen, ihre Forschung voll auf den neuen Erreger zu konzentrieren. Durch die räumliche Nähe zum HZI und die guten Kontakte zur TU, aus der heraus YUMAB gegründet wurde, entstand schnell ein „Corona Forschungsnetzwerk“, das sich gegenseitig ergänzt und unterstützt. Wie ganz aktuell geforscht wird, konnte ich mir dann am Institut für Biotechnologie der TU-BS beim Besuch der Doktoranden im Labor anschauen. Viele von ihnen haben die Arbeit an ihrer Doktorarbeit unterbrochen, um aus dem Blut Infizierter gewonnene Antikörper (für YUMAB) zu testen. Unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen werden diese Antikörperkandidaten jetzt im HZI an lebenden Viren getestet. Da schon vielversprechende Antikörper-Kandidaten gefunden wurden, könnte schon bald die klinische Testung erfolgen. Da es sich um menschliche Antikörper handelt, wird diese Phase erheblich verkürzt werden können.

Nicht nur die geballte Fachkompetenz und die enge Zusammenarbeit der Institutionen haben mich begeistert. Besonders beeindruckend finde ich das Engagement, mit dem die WissenschaftlerInnen ohne Zögern ihre Arbeit in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Nicht finanzielle Erwägungen oder persönliche Karrierechancen bestimmen ihr Handeln, sondern gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbereitschaft. Dieser Einsatz verdient nicht nur Respekt, sondern politische Unterstützung. Die Doktoranden sollten die Zeit, die sie für die Corona-Forschung aufgewendet haben (statt für ihr eigentliches Forschungsgebiet), vergütet bekommen und eine entsprechende Fristverlängerung für ihre Doktorarbeit erhalten. Das Unternehmen YUMAB ist mit ihrer Antikörper-Forschung auch finanziell in Vorleistung gegangen. Die Beteiligten verdienen daher eine Landesförderung! An dieser Förderung wird im Ministerium bereits gearbeitet, ebenso an einer politischen Initiative für die Corona-Forschung in ganz Niedersachsen. Denn diese sollte unbedingt von Bund und Land unterstützt und das wissenschaftliche Engagement belohnt werden.

Wir müssen wohl damit rechnen, dass es auch in der Zukunft neue Viruserkrankungen und evtl. Pandemien geben kann. Deshalb sollten wir (besser) gerüstet sein. Da Zeit in einer solchen Situation ein wichtiger Faktor ist, soll eine wissenschaftliche „Response Unit“ (wissenschaftliche Forschungsleitzentrale) aufgebaut werden. Ähnlich wie beim Katastrophenschutz soll damit sichergestellt werden, dass im Notfall in der Wissenschaft schnell und unbürokratisch gehandelt und geforscht werden kann. Braunschweig bietet bereits jetzt eine ideale Infrastruktur für eine solche Einheit. Auch dieses Vorhaben ist Inhalt unserer politischen Initiative, die in den nächsten Wochen im Landtag beraten werden soll.

Wir dürfen auf die Forschungsergebnisse aus Braunschweig gespannt sein! Vielleicht ja schon in diesem Jahr! Bis dahin sollten wir alle dafür sorgen, dass besonders gefährdete Menschen (auch durch unser eigenes Verhalten) geschützt werden.

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