Vom Schulzimmer in den Plenarsaal, (k)ein weiter Weg? – Ein Praktikumsbericht von Lisa

Ich bin gerne mit jungen Menschen zusammen. Junge Menschen sind enthusiastisch, neugierig und unvoreingenommen. Eigenschaften, durch die ich in meinem Politikalltag durchaus profitieren kann, weil sie ansteckend und inspirierend sind. Anfang des Jahres hat die 17-jährige Lisa ein Praktikum bei mir gemacht. Wir hatten gemeinsam viel Spaß und ich hoffe, sie konnte viele Erfahrungen und Erinnerungen mitnehmen. Doch lest selbst, wie sie ihr Praktikum erlebt hat.


Versetz dich einmal in deine Schulzeit zurück und erinnere dich wie es war – oder vielleicht sogar noch ist. Du sitzt auf deinem Platz und verfolgst eine Stunde im Politikunterricht. Ein politisches Thema wird diskutiert und jeder hat eine andere Meinung dazu. Manche vertreten liberale Positionen, manche konservative, aber jeder ist überzeugt, dass seine Ansicht die einzig wahre ist.

Wie würdest du dich verhalten? Würdest du still dasitzen und die anderen diskutieren lassen? Hörst du auf die, die am lautesten sind? Vertrittst du deine Meinung, ohne auf die Argumente der anderen einzugehen? Oder versuchst du einen Kompromiss zwischen den Standpunkten zu finden? Und schließt du dich mit den Leuten zusammen, die dieselben Werte vertreten wie du, um eure gemeinsame Position zu stärken?

In unserem politischen System verfolgen wir die letzten beiden Ansätze: wir suchen nach Kompromissen und schließen uns zu Parteien zusammen. Dieses Vorgehen finde ich sehr sinnvoll, denn so werden alle Seiten vertreten und kommen zu Wort. Das ist die Basis der Demokratie.

Die Plenarsitzungen unterscheiden sich gar nicht so sehr von der Situation im Klassenzimmer, wie ich während meines vierwöchigen Schulpraktikums bei Annette Schütze feststellen konnte. Alle Abgeordneten kommen zusammen und die Vertreter der einzelnen Parteien stellen ihre Positionen und Anträge vor. Die anderen Parteien dürfen ihre Meinung dazu äußern. Nicht jeder Antrag ist für alle spannend. Ganz wie im Klassenzimmer gibt es Gespräche mit dem Sitznachbarn, es gibt Zwischenrufe und Gelächter. Manchmal kommt es auch zu Streitereien. In der Schule ist es die Aufgabe des Lehrers einzugreifen und die Klasse wieder zu beruhigen. Im Plenarsaal übernimmt diese Aufgabe die Landtagspräsidentin. Sie ruft auch die einzelnen Redner auf und achtet darauf, dass diese ihre Redezeiten nicht überschreiten.

Nicht jeder gestellte Antrag ist auch wirklich umsetzbar. Manche Abgeordnete nutzen ihre Reden auch nur zur Selbstdarstellung und um ihren Anhängern zu zeigen, dass sie sich für deren Positionen einsetzen. Insbesondere die Parteien, die nicht an der Regierung beteiligt sind, stellen manchmal Forderungen, die sich realistisch nicht verwirklichen lassen. Da die Plenarsitzungen live im Fernsehen und im Internet übertragen werden, ist der Ton im Plenum oft etwas aggressiver. In den Ausschüssen, in denen sich die Abgeordneten zusammensitzen, um die Themen und Anträge vorher zu diskutieren, ist die Stimmung meist sachlicher. Wenn die Plenarsitzungen der Diskussion im Klassenzimmer entsprechen, dann sind die Ausschüsse die Gruppenarbeiten.

Politik ist oft ein Geduldsspiel. Viele Vorhaben können erst mit viel Zeit und mit vielen Kompromissen umgesetzt werden. Das ist manchmal nicht leicht auszuhalten. Unsere Aufgabe als Bürger ist es, unsere demokratischen Rechte wahrzunehmen: Zur Wahl gehen, Petitionen starten und für unsere Anliegen demonstrieren. Denn unsere Meinung zählt!

Ich bedanke mich bei Annette für das großartige Praktikum.

Viele Grüße, Lisa

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