Praktikum in Zeiten von Corona – Ein Praktikumsbericht von Kilian

Praktika bei Abgeordneten sind immer eine gute Möglichkeit für junge Menschen, den Berufsalltag von Politikerinnen und Politikern kennenzulernen. Leider hatte ich in diesem Jahr aufgrund der coronabedingten Einschränkungen keine Möglichkeit, Praktikantinnen oder Praktikanten mit in Landtagssitzungen zu nehmen. Doch auch die Arbeit meiner Mitarbeiterinnen im Wahlkreisbüro hat facettenreiche Aspekte. Davon konnte sich Kilian überzeugen, der die studienfreie Phase im Sommer spontan für ein Praktikum genutzt hat. Lieber Kilian, du warst eine großartige Unterstützung und ich danke dir für deine vielen Impulse! Lest hier seinen Praktikumsbericht:

Dieses Jahr steht ganz im Zeichen der Covid-19 Pandemie. Dass damit schwerwiegende Folgen für unsere Gesellschaft und wirtschaftliche Lage in Deutschland und der ganzen Welt einhergehen, ist glasklar. Für uns als Bürger*innen einer funktionierenden und stabilen Demokratie sollte sich allerdings noch eine ganz andere Frage stellen: Wie gehen wir als Demokrat*innen mit Kontaktbeschränkungen, fehlenden Parteitagen, eingeschränktem Wahlkampf und strengen Auflagen für Demonstrationen damit um?

Mein Praktikum bei Annette Schützes Bürgerbüro konnte ich den Umgang mit dieser Frage ganz praktisch erfahren. Im Rahmen meines Politikwissenschaftsstudium an der Freien Universität Berlin verbrachte ich fünf Wochen in meiner alten Heimat, nicht zuletzt, um als frischgebackener Juso ein bisschen Einblick in das Parteileben zu bekommen. Zudem wollte ich die Theorie von Kant und Co. mit praktischer Erfahrung in der Kommunal- und Landespolitik verknüpfen.

Die Schloßstraße erwies sich als der ideale Praktikumsplatz für genau das: Der lockere Umgang, der mir schon bei dem Vorstellungsgespräch auffiel, ermöglichte mir mich mit allen möglichen Themen quer durch die Parteiräumlichkeiten zu fragen und viel über Braunschweig und die SPD vor Ort zu erfahren. Besonders spannend war es, Standpunkte und Wissen, welches ich mir als der Generation Y angehöriger Juso und Politikwissenschaftler nur aus Büchern aneignen kann, von anderen Genoss*innen zu hören. Dass ich so viel Zeit in den Räumlichkeiten in Braunschweig hatte, lag an den geltenden Infektionsschutz-Maßnahmen. Durch die Pandemie ist der Besuch des niedersächsischen Landtags besonders während der Sitzungswoche nur eingeschränkt möglich. Auch der Betrieb selbst kann nur unter Einhaltung der geltenden Verordnungen fortlaufen. Sicher können in dieser Ebene der Politik auch Absprachen übers Telefon und Videokonferenzen geführt werden. Aber eben nicht nur – das ist eine Erkenntnis, die man nur schwer in einem Studium der Politikwissenschaft mitbekommt. Um den Erwartungen, die die Wähler*innen an den Wahl-Urnen indirekt ausdrücken, gerecht zu werden, ist auch viel Arbeit und Absprache zwischen den offiziellen Sitzungen von Nöten. Es müssen Kompromisse ausgehandelt und Handlungsspielräume ausgelotet werden. Der aktive Politikbetrieb ist also ebenso betroffen, wie alle anderen Bereiche unserer Gesellschaft auch.

Doch Politik wird nicht nur in den Parlamenten gemacht. Politik ist nicht etwas, was „von oben“ kommt. Jede*r Abgeordnete ist seinen Wähler*innen verpflichtet. Diese müssen sich artikulieren – ihren Willen formulieren, damit dieser überhaupt umgesetzt werden kann. Annettes Wahlkreis ist natürlich keine Ausnahme. Als Mitglied des Landtags hat sie immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bewohner*innen ihres Wahlkreises. Doch ein Sommerfest konnte nicht stattfinden. Besuche in den Wohnzimmern auch nicht. Bürgerforen müssen in wenigen riesigen Räumen stattfinden. Direkter Kontakt erweist sich als schwierig, wenn er nicht aktiv von den Bürger*innen gesucht wird. Natürlich werden die Anfragen und Anliegen, die das Büro erreichen aufgenommen und, wenn möglich, im Landtag eingebracht. Doch das, was wir auch jetzt in unserem Alltag spüren, nämlich die zunehmende Distanz und der eingeschränkte Kontakt zu unsern Mitmenschen, ist auch in dem politischen Raum unserer Gesellschaft zu spüren. Daher liegt es an uns, trotz dieser währenden Schwierigkeiten nicht zu resignieren oder stumm zu bleiben. Es liegt an uns, das politische System zu tragen, das für unser aller Wohl zuständig ist und gegen Revisionist*innen und Leugner*innen zu verteidigen.

 

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