Niedersächsische Impfstrategie – Der nachhaltige Kampf gegen Corona

In diesen Tagen erreichen mich viele Mails besorgter Bürgerinnen und Bürger. Sie fragen mich, warum andere Bundesländer bisher mehr Menschen geimpft haben als wir in Niedersachsen. Welche Impfstrategie verfolgt die Landesregierung in Niedersachsen?

Qualität statt Quantität

Neben der hinlänglich bekannten Tatsache, dass zurzeit insgesamt noch sehr wenig Impfstoff zur Verfügung steht, spielt ein weiterer Faktor eine entscheidende Rolle. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern (beispielsweise Bayern) werden in Niedersachsen nur so viele Menschen geimpft, wie auch tatsächlich Impfdosen zur Verfügung stehen. Für einen wirksamen Schutz werden pro Person zwei Dosen benötigt. In anderen Ländern hat man sich dazu entschieden, die ersten Lieferungen komplett für die Verabreichung der ersten Dosis zu verwenden und für die zweite Dosis auf schnelle Nachlieferungen zu vertrauen. Das führt dazu, dass Niedersachsen in der Impfstatistik momentan einen der hinteren Plätze belegt.

Lieferverzögerungen

Wie sich aber bereits abzeichnet, kommt es bei der Nachlieferung der Impfstoffe zu Verzögerungen. Dadurch ist zumindest fraglich, ob die zweite Impfung in dem dafür vorgesehenen Zeitfenster auch vorgenommen werden kann. Unsere Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann hat beschlossen „keine Wette auf die Zukunft“ einzugehen, wie sie es formuliert hat. Diese Strategie halte auch ich für wesentlich nachhaltiger. Denn statt zu riskieren, dass zwar frühzeitig eine größere Gruppe den Wirkstoff erhält, dieser seine Wirkung aber nicht voll entfalten kann, können die Menschen in Niedersachsen sicher sein, dass sie zeitnah beide Impfdosen und damit den vollen Schutz erhalten.

Regionale und kommunale Unterschiede

Im Übrigen sagt die Anzahl der Einwohner noch nichts über die Anzahl der Menschen aus, die in Seniorenheimen leben oder über 80 Jahre alt sind. So kann es zwischen den Bundesländern, wie auch in den Landkreisen und Städten innerhalb Niedersachsens, zu Unterschieden in der Impfquote in den Altersgruppen kommen. Auch in unserer Region gibt es Unterschiede. In dem einen Landkreis werden schon die Impfzentren für die Gruppe der über 80-Jährigen öffnen können, in anderen (wie Braunschweig) noch nicht, weil nicht in allen Heimen schon geimpft werden konnte. Um die Unterschiede nicht zu groß werden zu lassen, haben wir als Abgeordnete uns dafür stark gemacht, dass Regionen mit vielen Heimen (oder überproportional vielen älteren Menschen) etwas mehr Impfdosen erhalten. Bei dem derzeitigen Mangel an Impfdosen führt dieses dann aber auch dazu, dass andere Regionen zwangsläufig später beliefert werden bzw. zunächst weniger Impfstoff erhalten. Es geht also immer um Abwägungen und teilweise komplexe Abhängigkeiten. Diese werden leider in der Presse häufig nicht so detailliert wiedergegeben, weshalb schnell der Eindruck entsteht, Niedersachsen hänge im Impfen hinterher.

Diese wie auch andere Entscheidungen diskutieren wir wöchentlich im Sozialausschuss und bringen immer wieder auch Fragen und Anregungen der Menschen aus unserem Wahlkreis in den Entscheidungsprozess. So wird es nun auch bald den von vielen geforderten Niedersächsischen Stufenplan geben, in dem wir einen realistischen Weg skizzieren der uns – hoffentlich bald – aus der Pandemie führt.